– Nachruf – TSVE trauert um den Initiator des Hermannslaufs

Wolfgang Schlüter am 03.10.2021 im Alter von 87 Jahren verstorben ist.

Hermannslauf 1972

„Da löppt er wieder, der Verrückte.“, schmunzelten damals noch viele über den jungen Wolfgang Schlüter, der als Langstreckenläufer in Ostwestfalen eine echte Ausnahmeerscheinung war. Es ahnte aber wohl auch niemand, was er mit seiner Begeisterung für den Laufsport einmal in Gang setzen würde…

Seine ersten sportlichen Geh- bzw. Laufversuche unternahm Schlüter damals noch im Ruhrgebiet. Dort hing so viel Ruß in der Luft, dass er seinen Namen in den Kohlenstaub auf der Fensterbank schreiben konnte, berichtete er im Buch „Abenteuer Hermannslauf“, das er 2009 mit seinem Weggefährten Peter Gehrmann veröffentlichte.

Als er schließlich aus dem Ruhrgebiet nach Bielefeld zog, fand er mit dem Teutoburger Wald eine gänzlich andere Trainingsumgebung vor, die schon damals eine große Faszination auf ihn ausübte. Regelmäßig führte seine Strecke über die etlichen Waldwanderwege, auf denen ihm damals bestenfalls einige Spaziergänger und Reiter entgegenkamen.

Das änderte sich, als Ende der 1960er Jahre die Volkslaufwelle über das Land schwappte. Die Zahl der Läuferinnen und Läufer wuchs, wie auch die Zahl der Volksläufe, stetig. Und so ergab es sich Anfang der 70er Jahre auf der Promenade bei der Schönen Aussicht, dass Schlüter die Idee wie ein Blitz traf: „Lass uns einen Volkslauf veranstalten zwischen Bielefeld und Detmold!“, sagte er unvermittelt zu seinem Sportkameraden Peter Gehrmann, mit dem er damals gemeinsam im Bielefelder Ski Club aktiv war. Der ahnte gleich, dass der Anstieg zum Hermannsdenkmal besser nicht das Ende der Strecke bilden sollte, „da kommt zum Schluss keiner mehr rauf“. Somit war schnell klar – es geht vom Hermann zur Sparrenburg.

Lange blieb es nicht bei der Idee. 1972 fand der erste Hermannslauf mit 624 Teilnehmerinnen und Teilnehmern statt. Schlüter hat dafür damals hart gekämpft und setzte seine Vision gegen die Skepsis und Bedenken zahlreicher Sportfunktionäre und auch Verwaltungsmitarbeiter durch. Läufer aus Belgien, Österreich und sogar Amerika sind an diesem 23. April zum Hermannsdenkmal gekommen. Schlüter erinnert sich später an den Moment, als er um 11 Uhr am Start steht: „Jetzt muss das Feld auf die Reise geschickt werden, die Ungeduld ist zu groß. Drei Sätze, dann fällt der Startschuss. Ich werfe dem überraschten Fotografen den Lautsprecher in die Hände und renne mit.“

Leider bleibt es Wolfgang Schlüter verwehrt im 50. Jahr des Hermannslaufs selbst den Startschuss abzufeuern. Es hätte ihm viel bedeutet. Nun übernimmt Peter Gehrmann diese ehrenvolle Aufgabe nach einer Schweigeminute für Wolfgang Schlüter

Der TSVE 1890 Bielefeld e.V. ist dem Gründervater des Hermannslaufs zu großem Dank verpflichtet.

Um sein Schaffen gebührend zu würdigen, wird der TSVE an der Hermannslauf-Strecke einen Baum für Wolfgang Schlüter pflanzen.

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